EPISODEN

SEEWEGE
(Der anerkannte und verdiente Heimatforscher Tierarzt Dr. vet. Albert Hansen und Max Bathe haben im Werk „Die Namenlandschaft …“ regionale und lokale Details zur Geschichte unserer Heimat veröffentlicht, die auch über Gegebenheiten im Umgang mit dem großen Gewässer des Seelschen Sees informieren.)

Es folgt eine freie Interpretation der im o.g. Werk verzeichneten Fakten.

In grauer Vorzeit entstanden im Uferbereich des fischreichen Seelschen Sees viele kleine Siedlungen, von denen einige das Mittelalter nicht überlebten. Die beiden bekanntesten Wüstungsorte darunter waren Klein Hakenstedt und Selschen.

Vor Selschen verlief einst eine viel befahrene Handelsstraße, die Alte Heerstraße. Sie verband einst Magdeburg mit Helmstedt und Schöningen. Aus Selschen führten Wege, Seewege, zu Siedlungen im Umfeld des Sees. Diese Wege umgingen den See oder führten zur Brücke die eine Überquerung trockenen Fußes erlaubte. 

Der Volksmund benannte Wege nach ihrem Zweck. Erxleber Fischer gingen auf dem Fischerstieg zum See. Ganz ähnlich verhielt es sich mit dem nach Erxleben führenden Apothekerstieg, der Hilfesuchende von Selschen oder Ummendorf bis zur Erxleber Apotheke führte.

Von Selschens Kirche berichtet die Historie bereits aus der Zeit der Christianisierung um 800. Im Jahr 1136 übertrug der Halberstädter Bischof dem dortigen Paulusstift das Archidiakonat von Selschen, welches 15 Gemeinden umfasste. Das Archidiakonat (lokaler Verwaltungsbereich) betreute der in Selschen lebende Prediger (Pape), der Archidiakonatskirche, an die noch bauliche Wüstungsreste im Boden erinnern. 

Alle Wege, die der Pape regelmäßig nutzte, nannte man Papenstieg oder Teiche in seinem Besitz waren Papenteiche. So führte von Selschen ein Weg hinunter zum See, zu einem dort vorhandenen Damm, der das Überqueren des Sees ermöglichte. Dieser aus Naturmaterial errichtete Papendamm befand sich an der schmalsten Stelle des Seeauslaufs zur Aller und war auch von Gespannen befahrbar. Ackerstücke, die am Papenstieg oder Papendamm lagen, führten Papenbreite als Lagehinweis.

Selschens Pape nutzte auch einen Kahn, der verankert an einem kleinen Molendamm lag.  Diese kleine Hafenmole war bis in die 1920 als Absenkung im Wiesengrund erkennbar, wurde abgetragen und eingeebnet.

Von Ummendorf nach Selschen führte einst der Bruchweg.

Längst herrschen heute durch Trockenlegung und Erschließung im Seelschen Bruch völlig andere Bedingungen. Alte Flurnamen bewahren ein Stück Tradition, Identität und Heimatverbundenheit.

Welche bleibenden Spuren hinterlassen wir nachfolgenden Generationen?