EPISODEN

WÜSTUNGEN

In grauer Vorzeit siedelten Menschen an Orten, die Nahrung und vor allem lebenswichtiges Wasser boten. Der große und fischreiche Seelsche See hatte beides im Überfluss. Seine Wasserfläche, die im nördlichen Bereich weite Ausbuchtungen aufwies, besaß eine ungefähre Uferlänge von 15 bis 20 Kilometern. Beste Bedingungen für Fischer, die sich mit ihren Familien an seinem Ufer niederließen und Siedlungen gründeten.

Die Siedlungskunde bestätigt, daß Hakenstedts Ursprung älter ist als Selschens, doch Selschen erlangte im Hochmittelalter eine enorme Bedeutung. 
Zwischen dem 10. Und 13. Jahrhundert erlebte Selschen als Sitz eines bedeutenden Archidiakonats des Bistums Halberstadt seine Blütezeit. Aber bald verlor der kleine Ort seine angesehene Stellung, als der Magdeburger Erzbischof Ernst in den Jahren 1486/87 einen Landgraben als Grenzbefestigung zum Schutz vor Eroberern aus dem Westen errichten ließ.

Selschens Bevölkerung zog nach Ummendorf, ihre zurückgelassenen Gebäude dienten als Baumaterial für den Landgraben zwischen Selschen und der Aller.

Wie ein Blick auf die Wüstungskarte zeigt, ist die Positionierung von Selschen, Klein Hakenstedt und Osmersleben auffallend. Alle drei Siedlungen lagen direkt am Ufer des Sees, auch wenn für Klein Hakenstedt die Siedlungskarte eine andere Vermutung andeutet.

Allendorf, Wellendorf und Dodendorf verfügen über eine identische Siedlungsherkunft, sie liegen etwas weiter entfernt vom See.

Dodendorf und Kowelle spielen auch in der Hakenstedter Historie eine Rolle. So gründete Mariental bereits lange vor Hakenstedt einen Aussenhof in Kowelle. Die Feldmark von Dodendorf integrierte das Kloster Mariental in vollem Umfang in seine Hakenstedter Besitzungen.